201611.14
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Produktive Investitionen weiter niedrig

Deutschland soll mehr investieren. So lautet die Forderung vieler Ökonomen und Politiker, vor allem aus dem Ausland. Gemeint ist meist der Staat, der durch Infrastrukturinvestitionen die Wirtschaft stimulieren soll. Tatsächlich wurden 2015 in Deutschland Bruttoanlageinvestitionen in Höhe von 19,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) getätigt. Damit liegt man leicht über dem EU-Durchschnitt von 19,6 Prozent und hat praktisch das Investitionsniveau vor der Krise gehalten.

Ein völlig anderes Bild zeigen die Ausrüstungsinvestitionen. Dazu zählen vor allem Investitionen in Maschinen, die für das Wachstumspotenzial und den Produktivitätsfortschritt wichtig sind. Zieht man die Abschreibung ab, offenbart sich ein massiver Einbruch der Investitionstätigkeit.

Im gesamten Zeitraum von 2009 bis 2015 wurden insgesamt weniger Nettoausrüstungsinvestitionen (ohne Staat) getätigt als im Jahr 2008. Der Durchschnitt der Nettoausrüstungsinvestitionen lag in diesen sieben Jahren bei zirka 0,1 Prozent des BIP (2008: 1,4 %). Beim Ruf nach mehr Investitionen sollten sich auch die Unternehmen stärker angesprochen fühlen. Wenn sie nicht durch produktive Investitionen für mehr nachhaltiges Wachstum und dauerhafte Arbeitsplätze sorgen, besteht die Gefahr, dass mehr Geld für Infrastruktur und Wohnungsbau nur ein konjunkturelles Strohfeuer entfacht.