201607.05
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Brexit-Folgen: Steuergeschenk für Aktionäre

Die britischen Buchmacher lagen diesmal daneben. Auch viele kurzfristig orientierte Trader dürfte der Brexit Milliarden gekostet haben. Für die Interaktion zwischen Politik und Kapitalanlage liefert nicht nur das Votum der Wähler ein plastisches Beispiel, sondern auch die Reaktion ihres Schatzkanzlers. Der hat umgehend für die Zukunft eine Senkung der Unternehmenssteuern angekündigt. Die Corporate Tax Rate, derzeit bei 20 Prozent, soll auf unter 15 Prozent sinken. Wann, ist allerdings offen. Während die Eigentümer britischer Aktien kurzfristig Hunderte von Milliarden verloren hatten, könnten langfristige Anleger von einer Steuersenkung profitieren.

Die Einnahmen des UK-Fiskus aus der Corporate Tax lagen im letzten Fiskaljahr bei 43 Milliarden Pfund. Eine Reduzierung des Steuersatzes um ein Viertel könnte, je nach endgültiger Wirkung, bis zu 10 Milliarden Pfund mehr Gewinn jährlich für die britischen Aktiengesellschaften bedeuten. Damit stünde mehr Geld für Ausschüttungen zur Verfügung. Auch die Unternehmenswerte könnten steigen. Ob damit das Ziel erreicht wird, mehr Aktiengesellschaften in Großbritannien zu halten, steht auf einem anderen Blatt. Die Firmen, die ohnehin bleiben wollten, dürften sich aber in jedem Fall über den Mitnahmeeffekt freuen.