201607.18
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Im Zweifel für die Finanzindustrie?

Bisher bekam jeder Anleger von seinem Bankberater die Weisheit mit auf den Weg, dass es keine Rendite ohne Risiko gibt. Inzwischen haben Topmanager von Banken das Verhältnis von Risiko zu Rendite entscheidend verbessert, zumindest für ihr eigenes Humankapital. Was ist passiert?

Als Reaktion auf die Finanzkrise hatte die EU ab 2014 eine Bonus-Begrenzung für Bankmanager eingeführt. Die variable Vergütung sollte grundsätzlich nicht höher liegen als das Fixgehalt. Davon waren besonders britische Bankmanager betroffen, die für ihre hohen Boni bekannt waren.  Die European Banking Authority berichtete jüngst in einem Report (Benchmarking of remuneration practices at the European Union level and data on high earners, EBA-OP-2016-05, European Banking Authority, London 2016) über die Wirkung dieses Gesetzes. Besonders Topmanager von UK-Banken haben konsequent reagiert. Lag das durchschnittliche variable Gehalt der untersuchten britischen Bankmanager 2013 noch bei 2,3 Mio Euro, war es 2014 auf rund 1,7 Mio Euro gesunken. Dafür war das Festgehalt von rund 0,7 Mio Euro auf 1,5 Mio Euro gestiegen. Ergebnis: Nicht mehr 78 Prozent im Risiko, sondern nur noch 52 Prozent – und das bei höherem Gesamtgehalt.

Damit zeigt der Report unter anderem, dass Incentives für Topmanager wirken – wenn auch nicht immer so wie erwartet. Manche Bürger hatten das Gesetz zur Bonus-Begrenzung eher als Kappung der Bankergehälter verstanden. Sollten eines Tages die Gehälter der Unternehmensvorstände in der Realwirtschaft weiter gesetzlich reguliert werden, um damit gesellschaftlich sinnvolle Ziele zu fördern, könnte eine realistische Abschätzung der Gesetzesfolgen die gewollte Wirkung sicher erhöhen.