Ein Rahmen für die neue Kapitalanlage

Die produktive langfristige Kapitalanlage und engagierte Anleger brauchen Unterstützung: Passende Normen, Institutionen und Best Practices schaffen ein erfolgreiches Umfeld für den individuellen und gesellschaftlichen Nutzen der neuen Kapitalanlage.

Unsere Agenda liefert mit ihren konkreten Vorschlägen und Anregungen Diskussionsbeiträge für einen geeigneten institutionellen Rahmen.

Aufklärungspflicht über die passive Kapitalanlage

Passive Kapitalanlage ist meist deutlich kostengünstiger als aktive Kapitalanlage. Für sehr viele private Anleger, die nicht spekulieren, sondern langfristig Kapital anlegen wollen, ist sie eine geeignete Anlageform. Trotzdem kaufen viele Anleger teure aktive Kapitalanlageprodukte, weil sie nicht ausreichend über die passive Kapitalanlage informiert sind. Dies ist häufig dann der Fall, wenn ein Anleger keinen unabhängigen Berater auswählt oder sein Berater Provisionen für seine Tätigkeit erhält.

Informationen über die Vor- und Nachteile der aktiven und passiven Kapitalanlage sollten zum Pflichtprogramm der Anlageberatung gehören. Entscheidet sich ein Anleger nach dieser Aufklärung nicht ausdrücklich für die aktive Kapitalanlage, sollte die Empfehlung der passiven Kapitalanlage die erste Option sein.

Keine Rendite ohne Rechte

Aktien und Anleihen bergen für den Anleger Risiken, die Rendite ist nicht planbar. Um seine Position zu stärken, erhält er dafür Kontroll- und Mitwirkungsrechte. Viele private Anleger kaufen Aktien und Anleihen nicht direkt, sondern über Finanzunternehmen wie Investmentfonds, Pensionsfonds und Versicherungen. Die leiten in der Regel die Risiken und Renditen an ihn durch, jedoch nicht die Rechte. Im Ergebnis hat der Anleger meist dieselben Risiken wie bei der Direktanlage, weniger Rendite durch die Kosten der Finanzunternehmen, aber keine direkten Kontroll- und Mitwirkungsrechte mehr. Stattdessen ballen sich die Rechte bei den Finanzunternehmen zusammen und führen dort zu einer Machtkonzentration. So bleiben die individuellen Interessen der Anleger oft unberücksichtigt. Dies hat dazu geführt, dass die privaten Anleger wenig Einfluss auf die Arbeit der Aktiengesellschaften und ihrer Manager nehmen können, obwohl sie alle zusammen bei vielen Aktiengesellschaften der größte Aktionär sind.

Zukünftig sollten die Finanzunternehmen auch die Kontroll- und Mitwirkungsrechte an ihre Kunden weiterleiten. Die privaten Anleger sind die wirtschaftlichen Eigentümer und Risikoträger, sie sollten auch die Rechte bekommen. Wann immer ein Finanzunternehmen nicht selbst das finanzielle Risiko trägt, zum Beispiel über eine garantierte Rendite oder Auszahlungssumme, sollte der Grundsatz gelten: keine Rendite ohne Rechte.

Neue Ziele für Vorstände und Aufsichtsräte

Ganz oben auf der Agenda der Vorstände von Aktiengesellschaften stand in den vergangenen Jahrzehnten die Verpflichtung, kurzfristig den Shareholdervalue zu fördern. Gleichzeitig ist das Wirtschaftswachstum immer stärker gesunken. Die Konsequenz: nahezu stagnierende Einkommen für viele Beschäftigte und eine zunehmende Vermögensungleichheit.

Zukünftig sollten Aufsichtsräte und Gesetzgeber die Vorstände dazu motivieren, langfristigere Wachstumsziele zu verfolgen, die allen gesellschaftlichen Gruppen nützen. Statt eines kurzfristig gesteigerten Shareholdervalue sollten die Förderung von Innovationen, produktiven Investitionen und Produktivitätswachstum eine wichtige Aufgabe von Managern sein. Dafür brauchen sie entsprechende Entlohnungs- und Anreizsysteme.